Bräuche & Besonderheiten

Echt Ostfriesland

Echt ostfriesisch

Ostfriesland ist mehr als Nordsee, Deiche und Wattenmeer. Über viele Generationen hinweg sind hier Traditionen entstanden, die bis heute zum Alltag gehören. Manche begegnen dir sofort, andere entdeckt man erst auf den zweiten Blick.

Vielleicht wirst du morgens mit einem freundlichen „Moin“ begrüßt, hörst Einheimische Plattdeutsch sprechen oder begegnest im Winter einer Boßelgruppe auf einer ruhigen Landstraße. Viele dieser Bräuche und Gewohnheiten werden bis heute gepflegt und machen Ostfriesland unverwechselbar.

Von der plattdeutschen Sprache über den Nationalsport Boßeln bis hin zu traditionellen Festen und besonderen Familienbräuchen – hier findest du einige der Geschichten, die Ostfriesland ausmachen.

Bi uns proten wi platt

Wer in Ostfriesland unterwegs ist, hört sie immer wieder: die plattdeutsche Sprache. Für viele Einheimische gehört sie bis heute ganz selbstverständlich zum Alltag. Oft wird zwischen Hochdeutsch und Plattdeutsch gewechselt – je nachdem, mit wem man spricht.

Das ostfriesische Plattdeutsch gehört zu den niederdeutschen Sprachen und hat eine lange Tradition. Viele Wörter und Redewendungen haben sich über Jahrhunderte erhalten und werden von Generation zu Generation weitergegeben. Manche Begriffe erinnern dabei eher an das Englische oder die skandinavischen Sprachen als an das heutige Hochdeutsch.

Auch wenn nicht jeder Besucher sofort alles versteht: Ein freundliches „Moin“ funktioniert immer. Und vielleicht nimmst du nach deinem Urlaub sogar das eine oder andere plattdeutsche Wort mit nach Hause.

Boßeln – Ostfrieslands Nationalsport

Wenn sich im Herbst und Winter Gruppen mit Bollerwagen und Holzkugeln auf den Straßen versammeln, hat die Boßelsaison begonnen. Kaum ein anderer Brauch ist so eng mit Ostfriesland verbunden wie dieser besondere Sport.

Beim Boßeln treten Mannschaften gegeneinander an und versuchen, eine Kugel mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke zu befördern. Dabei kommt es nicht nur auf Kraft, sondern auch auf Technik und die richtige Taktik an.

Für viele Ostfriesen ist Boßeln jedoch weit mehr als ein Wettkampf. Freunde, Familien, Vereine und Nachbarschaften treffen sich zu gemeinsamen Touren durch die Landschaft. Oft gehört anschließend auch ein gemütliches Grünkohlessen dazu.

Wer zum ersten Mal eine Boßelgruppe erlebt, versteht schnell: Boßeln ist nicht nur Sport, sondern ein Stück ostfriesische Lebensart.

Puppvisiet & Bohntjesopp

Manche ostfriesischen Traditionen spielen sich nicht auf Festplätzen oder Dorfstraßen ab, sondern im Familienkreis. Eine davon ist die Puppvisiet – ein Brauch, der rund um die Geburt eines Kindes gepflegt wird.

Einige Wochen vor der Geburt werden Rosinen und Kluntje in Branntwein eingelegt. Daraus entsteht die sogenannte Bohntjesopp, eine ostfriesische Spezialität, die später bei der Taufe ausgeschenkt wird. Auch Freunde, Nachbarn und Bekannte kommen zur Puppvisiet vorbei, um den Nachwuchs zu begrüßen und gemeinsam auf das Familienglück anzustoßen.

Heute gehört die Bohntjesopp noch immer zu vielen Familienfeiern und ist weit über Ostfriesland hinaus bekannt. Wer die Region besucht, begegnet ihr oft auch in Cafés, auf Speisekarten oder als typisch ostfriesischem Mitbringsel.

 

Von Martini bis Osterfeuer

Viele ostfriesische Bräuche werden bis heute gepflegt und bringen Menschen jeden Alters zusammen. Einige davon begleiten das Jahr schon seit Generationen.

Rund um den Martinstag ziehen Kinder mit Laternen durch die Straßen und singen traditionelle Lieder. Früher wurden dafür oft sogenannte Kippkappkögels verwendet – ausgehöhlte Runkelrüben, die von innen mit Kerzen beleuchtet wurden. Auch heute lebt dieser Brauch weiter und wird vielerorts mit Laternenumzügen gefeiert.

Zu den festen Traditionen gehört auch das Osterfeuer am Ostersamstag. Mit Einbruch der Dämmerung versammeln sich Einheimische und Gäste am Feuer, um gemeinsam den Winter zu verabschieden und den Frühling zu begrüßen.

Ebenfalls beliebt ist das Maibaumaufstellen, bei dem geschmückte Bäume feierlich aufgerichtet werden. In Dornumersiel sorgt außerdem die Strohballen-Rollmeisterschaft jedes Jahr für Begeisterung. Dabei müssen 250 Kilogramm schwere Strohballen in verschiedenen Disziplinen ins Ziel gebracht werden – ein ungewöhnlicher Wettkampf mit Kultstatus.

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