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Ostfriesentee

Eine Herzensangelegenheit

Ostfriesische Teekultur

Die ostfriesische Teekultur entwickelte sich im Lauf der Zeit aufgrund des großen Stellenwertes, den das Trinken von Tee in Ostfriesland genießt. Die Anfänge ostfriesischer Teekultur reichen in das frühe 17. Jahrhundert zurück. Bis heute ist die Teetied ein wichtiger Bestandteil ostfriesischer Geselligkeit und der ostfriesischen Küche. Aber lassen wir Zahlen sprechen: Im Durchschnitt trinkt im Jahr jeder Ostfriese rund 300 Liter Tee, das entspricht in etwa dem Elffachen des deutschen Durchschnittsverbrauchs. Damit haben die Ostfriesen den weltweit größten Teeverbrauch pro Kopf.

Unser Nationalgetränk

  • Echter Ostfriesentee ist eine Mischung sehr kräftiger Assam-Tees. Er ist sehr dunkel, stark, enthält viel Koffein 
  • Nicht nur Chinesen und Japaner zelebrieren ihren Tee. Wir praktizieren seit Anfang des 17. Jahrhunderts unsere ostfriesische Teezeremonie. 
  • Teetied ist morgens, vormittags, nachmittags um drei und abends gerne nochmal. Bei Schietwetter sowieso.
  • Tee ist nicht gleich Tee! Nur Tee, der in Ostfriesland gemischt wird, ist auch echter Ostfriesentee und namensrechtlich geschützt. 
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Ostfriesen lassen sich ihren Tee nicht verbieten

Wie lieb den Ostfriesen ihr Tee ist zeigt die Auseinandersetzung um den Tee-Krieg um 1768. Da der Tee damals wie heute importiert wurde und damit inländisches Geld ins Ausland floss, versuchte Friedrich II. den Ostfriesen den Tee abspenstig zu machen. Anstelle des chinesischen Import-Tees solle man doch lieber auf regionale Kräuter für den Tee oder auf Bier umsteigen.

Auf ein entsprechendes Gesetz reagierte man in Ostfriesland mit verstärktem Schmuggel, zivilem Ungehorsam und heimlichem Teetrinken. Die ostfriesischen Landstände verfassten am 11. Mai 1779 einen Brief, in dem sie erklärten: „Der Gebrauch des Thee und Caffe ist hierzulande so allgemein und so tief eingewurtzelt, dass die Natur des Menschen schon durch eine schöpferische Kraft müßte umgekehrt werden, wenn sie diesen Getränken auf einmal gute Nacht sagen sollte.“ Nach weiteren zwei Jahren gab der König von Preußen frustriert sein Vorhaben auf und erlaubte seinen ostfriesischen Untertanen wieder den Genuss des „chinesischen Drachengiftes“.

Schlimmer kam es während der Weltkriege. Tee war streng rationalisiert und es gab ihn nur gegen Bezugsscheine – 20 g Tee pro Erwachsener und Monat. Also quasi nichts. Da fuhren die findigen Friesen ins Ruhrgebiet  und tauschten dort Speck und Eier gegen Tee-Bezugsscheine ein.

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Eine ganz spezielle Mischung

Echter Ostfriesentee besteht aus einer kräftigen Schwarzteemischung. Die Basis bildet Assam Second Flush, also Tee der zweiten Ernte einer Saison, mit voller, malziger Note. Dazu kommen andere Ursprünge wie Darjeeling, Ceylon und Indonesien. Bis zu 20 unterschiedliche Sorten kombinieren Tea-Taster zur "Echten Ostfriesischen Mischung". Eine schwierige Aufgabe. Im Gegensatz zum Weinliebhaber, der jedem Jahrgang eine besondere Note zugesteht, erwartet der Teefreund, dass sein Lieblingsgetränk immer schmeckt wie gewohnt. 

Zubehör für die Ostfriesische Teezeremonie

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    Tee (Ostfriesische Mischung), z. B. Bünting Tee, Thiele Tee etc.

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    Weiches, nicht zu kalkhaltiges Wasser, siedend.

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    Teekanne mit Stövchen

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    Kluntje (Kandiszucker) mit Kluntjezange

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    Sahne, am besten mit Sahnelöffel

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    Geeignete Teetassen mit Teelöffel. Auf dem Foto seht ihr das dünnwandige ostfriesische Teegeschirr mit dem typischen Dekor „Ostfriesenrose“, das seit mehr als 200 Jahren in der traditionellen ostfriesischen „Teetied“ Platz findet.

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    Optional: Isst man gerne zum Tee - Rosinenbrot (Krintstuut)

Die Zubereitung von echtem Ostfriesentee

Für die Zubereitung von echtem Ostfriesentee rechnet man 8 bis 10g Tee auf einen Liter Wasser (ca. 3 gehäufte Teelöffel). Die losen Teeblätter werden in einer gut vorgewärmten Kanne mit frischem, sprudelnd kochendem Wasser übergossen, so dass sie bedeckt sind. Nun lässt man den Tee – am Besten auf einem Stövchen – 3 - 5 Minuten ziehen. Anschließend wird der duftende Teeaufguss mit dem restlichen Wasser aufgefüllt. Empfehlenswert ist es, den fertigen Tee durch ein Teesieb in eine vorgewärmte Servierkanne umzufüllen und auf einem Stövchen warmzuhalten.

Nun kommt der Genuss in die Tasse, so, wie Ostfriesen ihn lieben. Zuerst wird ein „Kluntje“ ein weißer Kandis, in die Tasse gegeben. Beim Übergießen mit dem heißen Tee knistert das Kluntje, lässt Vorfreude aufkommen und gibt dem Tee durch sein Schmelzen eine feine Süße. Einige Tropfen frischer hochprozentiger Sahne, zaubern das berühmte „Wulkje“, das Wölkchen, und machen den Teegenuss vollkommen. Dabei legt man die Sahne gegen den Uhrzeigersinn in den Tee, um sinnbildlich die Zeit anzuhalten.
 

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„Man trinkt Tee, um den Lärm der Welt zu vergessen! ”

Für Kenner:

Ostfriesische Genießerherzen teilen das „ungerührte“ Genusserlebnis in 3 Phasen ein: Nach dem ersten Schluck Tee mit Sahne, folgt im zweiten der pure Teegeschmack, der schließlich mit dem süßen Ende den dreistöckigen Genuss zur Vollendung bringt.

Dabei bietet es die Höflichkeit mindestens drei Tassen zu genießen, weshalb es nicht umsonst heißt: Dree is Osfreesenrecht (Drei ist Ostfriesenrecht).

Der kleine Teelöffel wird nur verwendet, um nach ausreichend Teegenuss in der Tasse platziert dem Gastgeber zu signalisieren, dass man nicht weiter nachgeschenkt bekommen möchte.

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Immaterielles Kulturerbe

Die ostfriesische Teekultur ist 2016 von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe in Deutschland anerkannt worden. Immer noch ist es in Ostfriesland üblich, einem Gast bei Ankunft eine Tasse Tee anzubieten. Es ist unsere Art, den Gast willkommen zu heißen. Diese Tradition wird nicht nur von uns gepflegt, sondern auch oft von Zugezogenen angenommen. Die Teetied (Teezeit) gibt Struktur und beschert Momente der Muße. Bei manchen Ostfriesen findet sie täglich sechsmal statt, etwa als "Elführtje" am späten Vormittag und als Nachmittagstee um 15 Uhr, gemäß dem Motto "Ostfriesische Gemütlichkeit hält stets ein Tässchen Tee bereit". Dazu muss man wissen, dass sich ein echter Ostfriese bei jeder dieser Teezeiten drei Tässchen gönnt, denn das ist sein gutes Recht, "Dree Koppkes Tee is Ostfreesenrecht".

InTEEressant - 6 Fakten über Tee

Soll man Tee schlürfen?

Tee-Experten wissen, dass das laute Trinken von Tee nicht unhöflich ist, sondern so sein soll. Dabei wird nämlich Sauerstoff mit in den Mund gezogen. Der sorgt für eine höhere Geschmacksempfindlichkeit. 

Soll man Teekannen nach jedem Gebrauch auswaschen?

"Um Himmels willen bloß nicht", pflegten meine Omas immer zu sagen. Und das zu Recht! Das Reinigen mit Spülmittel beeinträchtigt nämlich den Geschmack des Tees. Die Kanne nimmt den Teegeschmack an und wirkt wie ein „Geschmacksverstärker“. Gerade bei offenporigen Materialien wie Keramik oder Stein können sich auch Reste des Spülmittels in den Poren festsetzen. Auch Kaffee darf niemals in einer Teekanne aufgebrüht werden. „Den Geschmack wird man nicht mehr los. Tee sollte auch niemals in der Nähe von Kaffee aufbewahrt werden, auch das beeinträchtig das Aroma zu stark.

Kann man Tee warm halten?

Tee zieht nach dem Aufgießen noch nach. Je länger er zieht, um so bitterer wrid er. Deshalb den Tee nach dem Ziehen druch ein Teesieb und in eine andere vorgewärmtes Teekanne geben. 

Wie lange sollte Tee ziehen?

Wie lange ein Tee ziehen sollte hängt von der Teesorte und auch vom individuellen Geschmack ab. Grundsätzlich gilt:

  • Wenn der Tee anregend sein soll, dann lass ihn nicht länger als drei Minuten ziehen. Soll er eher beruhigend wirken, geb den Teeblättern fünf bis sechs Minuten Zeit.
  • Willst du deinen Tee stark und anregend, nimm einfach mehr Tee und lasse ihn kürzer ziehen.
  • Je heißer das Wasser, desto kürzer ist die Ziehzeit.

Je länger Tee zieht, desto mehr Substanzen lösen sich. Nach fünf Minuten insbesondere die Tannine, also die Gerbstoffe. Auf sie vor allem ist das Gerücht von der "beruhigenden" Wirkung zurückzuführen. Denn die Tannine wirken tatsächlich beruhigend – aber weniger auf das Gemüt, sondern viel mehr auf die Verdauung. 

Ist Tee gesund?

Tee enthält keine Kalorien (wenn man ihn nicht süßt oder Milch hinzufügt), dafür aber einige Mineralstoffe wie Magnesium und Fluor sowie Vitamine wie Vitamin C oder B-Vitamine. Die in Schwarztee vorkommenden Gerbstoffe beruhigen Magen und Darm. Allerdings bilden sie auch mit dem in der Nahrung vorkommenden Eisen schwer lösliche Komplexe, so dass das Eisen für eine weitere Verwertung nicht mehr zur Verfügung steht. Tee sollte deswegen nicht zu den Hauptmahlzeiten getrunken werden.

Hilft Tee gegen Karies?

Ja, denn Schwarztee enthält Polyphenole und Fluoride, die das Risiko für Karies senken.

Und was ist mit Tee(beutel)?

Der Teebeutel wurde 1908 versehentlich von dem Teehändler Thomas Sullivan in New York erfunden. Um Teeproben an seine Kunden zu versenden, füllte er den Tee in kleine Seidenbeutel. Seine Kunden nutzten die kleinen Beutel dazu, sie ganz in das Wasser einzutauchen, in dem Glauben, dass dies so von Sullivan vorgesehen gewesen sei.

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Zu guter Letzt - Wie alles begann

Der chinesischen Legende zufolge fing alles an einem Frühlingsabend des Jahres 2737 vor Christi Geburt an. An diesem besagten Abend kochte der chinesische Kaiser Shen Nung, „der Sohn des Himmels“ nach einer langen Reise gerade unter einem Baum Wasser ab, um seinen Durst zu löschen, als ein leichter Wind ein paar Blätter ins Wasser wehte. Das Wasser verfärbte sich hellgrün und ein angenehmer Duft stieg aus dem dampfenden Kessel auf. Der Kaiser probierte das Getränk, fand es köstlich und fühlte sich erfrischt und belebt von dieser fremdartigen Mischung. Der Baum war ein wilder Teebaum, und so wurde der Tee entdeckt.